Girokonto im Minus, Dispo ausgereizt – was tun?


Informationen zu Dispo, Dispozinsen und Alternativen

Wie wir schon verschiedentlich berichtet haben, sind die Zinsen für einen Dispositionskredit in Deutschland sehr hoch. Wenn also das Girokonto mal wieder überzogen wird oder ist, wird das ganz schnell sehr teuer. Wir sagen Ihnen, was Sie über den Dispozins wissen sollten und wie sie zu hohe Kosten vermeiden können.

Der Dispo ist im Dauerminus – was wäre eine Alternative?

Info-zerokredit-180Wenn Sie als Verbraucher bei Ihrer Hausbank ihr Girokonto überziehen, dann verlangt diese in der Regel hohe Dispo- und Überziehungszinsen. Bei vielen Banken und Sparkassen liegt der Zinssatz für genehmigte Überziehungen im zweistelligen Prozentbereich. Für ungenehmigte Überziehungen werden weitere Zinsaufschläge von zumeist 4% fällig. So ergab eine Studie der „Stiftung Warentest“ im Jahr 2012 einen Zinssatz von im Mittel über elf Prozent Zinsen für das Überziehen des Girokontos. Zu ähnlichen Ergebnissen kam das Bundesverbraucherschutzministerium. Bei gleichen Rahmenbedingungen ist das in Nachbarländern viel günstiger, mit den hohen Zinssätzen für den Dispo verdienen die Banken viel Geld.

Hier stellt sich die Frage, was kann man denn gegen diese „Wucherzinsen“ tun? Zunächst einmal ist eine vernünftige Information das Gebot der Stunde. Man sollte sich gut über die Gebühren der eigenen Bank und möglicher Alternativen informieren. Hierzu geben wir ein paar grundlegende Informationen:

Dispo- und Überziehungszinsen – was steckt dahinter?

Die meisten Verbraucher in Deutschland unterhalten bei ihrer Hausbank ein Girokonto für den Zahlungsverkehr. Geht auf dieses Konto auch der Lohn oder das Gehalt ein, dann räumt die Bank ihren Kunden sehr oft einen sogenannten Dispositionskredit ein, der auch als Dispokredit oder kurz Dispo bezeichnet wird. Er ermöglicht im Idealfalle das kurzfristige Disponieren von Zahlungen, für die momentan nicht genügend Deckung auf dem Girokonto vorhanden ist. So wird keine Abbuchung zurückgegeben, was negative Folgen (u.a. negative Schufa-Einträge) bedeuten würde. Dieser Dispo wird oft in 3 facher Höhe des Nettozahlungseinganges eines Monats vergeben (in den meisten Fällen dürfte es sich hier einfach um den 3 fachen Nettolohn handeln).

Für eine Überziehung im Rahmen dieses genehmigten Kreditlimits wird nun der Dispozins fällig. Reicht diese Überziehung nicht aus und wird das Konto über dieses Limit hinaus weiter belastet, dann fällt der Überziehungszins an, der sich meist so zusammensetzt: Dispozins plus 4% ist Überziehungszins.

Dispo- und Überziehungszinsen – wo erfahre ich, wie hoch die bei meiner Bank sind?

Banken sind dazu verpflichtet, ihre Kosten transparent zu machen, zumeist werden diese im Rahmen eines Aushangs in den Geschäftsräumlichkeiten bekannt gemacht. Der Kunde hat einen für ihn zuständigen Betreuer bei der Bank, dieser wird bei Anfrage ihm die entsprechenden Informationen ebenfalls mitteilen. Auch auf den Kontoauszügen, zumindest bei der Quartalsabrechnung, werden die Zinssätze ausgewiesen.

Die Banken tun sich zum Teil schwer mit der allgemeinen Transparenz im Internet, so haben auf Anfrage der Stiftung Warentest viele Institute die Auskunft über ihre Dispozinsen verweigert. Allgemeine Tendenz ist aber, dass online-Banken die geringsten Dispozinsen haben und diese können direkt im Internet recherchiert werden.

Mit diesen Informationen ist man dann auch besser vorbereitet, für eventuelle Verhandlungen mit der Hausbank um die Höhe des Dispozinses.

Dispositionskredit – Vor- und Nachteile

Im allgemeinen Zahlungsverkehr bietet ein Dispokredit natürlich den Vorteil, dass nicht gleich eine Zahlung zurückgeht, wenn das Konto nicht gedeckt ist. Dies ist insbesondere wichtig für regelmässige Zahlungen, wie Stromkosten, Festnetz- und Mobiltelefon und dergleichen mehr. Eine nicht ausgeführte Zahlung hat dort oft schnelle negative Schufa-Eintragungen zur Folge. Mit jedem Zahlungseingang auf dem Girokonto vermindert sich zudem die Darlehenshöhe, was auch reduzierte Zinszahlungen zur Folge hat. So ist an einem Dispokredit nichts auszusetzen, wenn er regelmäßig in der oben beschriebenen Art und Weise eingesetzt wird und eine schnelle Rückführung gelingt.

Für viele Kunden hat aber der Dispokredit eine ganz negative Eigenschaft, er macht sich oft selbständig und das Girokonto wird bis zum Limit ausgereizt und nicht wieder zurückgeführt. Dies ist bei Kunden mit guter Bonität und regelmässigem Zahlungseingang für die Bank ein lukratives Geschäft, zweistellige Zinsen bei relativ geringem Risiko und zur Zeit Refinanzierungskosten von oft unter 1%. Sollte die Zahlungsfähigkeit der Kunden leiden und deren Bonität (etwa durch Arbeitslosigkeit) schlechter werden, dann können die Banken eingeräumte Dispokredite kurzfristig kündigen und zurückfordern, was in solch einer schwierigen Situation natürlich zusätzliche Probleme bereitet.

Dispo- und Überziehungszinsen – wie lassen sich zu hohe Zinsen vermeiden?

An erster Stelle steht hier natürlich eine weitestgehende Reduktion der Nutzung des Dispokredites. Nehme ich den Dispo nicht in Anspruch, dann kann mir der Zinssatz egal sein. Offene Dispositionskredite sollten schnellstmöglich zurückgefahren werden, je kürzer das Geld benötigt wird, desto geringer sind die Kosten.

Hat man Schwierigkeiten, sein Geld zusammenzuhalten, dann kann man mit seiner Bank auch vereinbaren, dass das Konto gar nicht oder nur bis zu einem Betrag in Höhe von beispielsweise 500.- € überzogen werden darf. Auf diese Art und Weise können bei Krankheit oder Urlaub laufende Kosten wie Telefonrechnungen trotzdem abgebucht werden, man vermeidet teure Mahngebühren. Aber es können keine größeren Überziehungen mit hohen Zinszahlungen mehr entstehen.

Daneben kann man sich natürlich informieren und etwa zu einer günstigeren Bank wechseln oder aber das Gespräch mit der Hausbank suchen, Vergleichszahlen vorlegen und in einer individuellen Regelung den Zinssatz drücken.

Dispokredit – Welche Alternativen gibt es, wenn man dann doch Geld braucht?

Wir haben verschiedentlich schon über die Ablösung eines Dispokredites berichtet. Je nach Situation ist ein normaler Ratenkredit oder ein schufafreier Kredit das Mittel der Wahl. Bei guter Bonität gibt es auch die Alternative eines Abrufkredites mit niedrigeren Zinsen, der fast genauso flexibel ist, wie der Dispokredit, aber deutlich billiger. Diese Kredite müssen allerdings in der Regel mit festen Monatsraten zurückbezahlt werden, haben dafür dann aber auch den Vorteil, dass sie mit der Zeit auch getilgt werden und nicht am unteren Rand des Limits dauerhaft in Anspruch genommen werden.

Fazit:

Die Beanspruchung des Dispokredites ist in der Regel sehr teuer und sollte daher nur immer für kurze Zeit genutzt werden. Besser ist es, bei längerfristigen Krediten auf Ratenkredite oder Abrufkredite mit niedrigerem Zinssatz zu setzen. Der Dispo sollte schnellstmöglich zurückgefahren werden. Durch Information kann der Kunde zu einer günstigeren Bank wechseln oder aber bei seiner Hausbank einen günstigeren individuellen Zinssatz verhandeln.


zum Kreditlexikon
zu Kreditnews
zum Kreditantrag