Dispositionskredit – Banken trauen sich nicht, den Zinssatz offenzulegen


Der Zinssatz im Dispositionskredit liegt bei deutschen Banken doppelt so hoch, wie beispielsweise in Österreich.

Der Dispositionskredit dient normalerweise dazu, einen kurzen Liquiditätsengpass zu überbrücken. Hierzu darf das Girokonto in einem vorgegebenen Rahmen (meist 3 Nettogehälter) überzogen werden. Wie der Stern am 12. Oktober 2012 in einem Artikel schreibt, hat die Stiftung Warentest mal wieder versucht, Licht in den Dispositionszinssatz bei deutschen Banken zu bringen:

„Ganz schön peinlich: Viele Banken kassieren so hohe Dispozinsen, dass sie die genaue Höhe lieber verschweigen. „Finanztest“ bekam bei einer Umfrage die kuriosesten Ausreden zu hören.“

So schreibt die Stiftung Warentest:

Die Zeitschrift „Finanztest“ ermittelte in einem aktuellen Vergleich einen durchschnittlichen Dispozins von 11,76 Prozent. Einige Banken knöpfen ihren Kunden sogar mehr als 14 Prozent ab, sollte der Kontostand ins Minus rutschen. Wer auch den eingeräumten Dispokredit überzieht, zahlt nochmal drauf. Dabei können sich die Finanzinstitute das Geld bei der Zentralbank oder untereinander derzeit für deutlich weniger als ein Prozent leihen.

Nur 357 von insgesamt 1566 angeschriebenen Institute waren bereit, den Testern die gewünschten Angaben zu machen. Ganz offensichtlich ist es den Banken peinlich, in der heutigen Situation, mit Refinanzierungskosten von unter 1% die hohen Dispositionszinsen zu veröffentlichen. Bei Kunden schlechter Bonität lagen die Dispositionszinsen oftmals noch deutlich höher, teilweise über 14%.

Interessant war, dass die online-Banken zumeist deutlich besser abschnitten, im Vergleich zu den Filialbanken. Volksbanken und Kreissparkassen finden sich sehr oft in den oberen Bereichen der Zinsmarge.

Die Ausreden der Abzocker waren denn auch interessant, so kam etwa von der Volksbank Senden folgende Aussage: „Die Stiftung Warentest geht nicht gut mit Banken um.“ Hier können wir nur festhalten: Wen wunderts bei diesem Geschäftsgebaren.

Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Erhebung des Bundesfinanzministeriums, die im Februar diesen Jahres durch die Presse ging. Auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Carsten Sieling (SPD) wurden die Zahlen im Vergleich genannt:

Durchschnittlicher Dispositionszins (Februar 2012)

  • Deutschland:….10,24 %
  • Österreich:………5,52 %
  • Niederlande:……6,69 %
  • Finnland:…………7,14 %
  • Italien:…………….7,57 %
  • Griechenland:.. 10,96 %
  • Irland:……………12,85 %
  • Portugal:………..13,24 %

Interessant daran ist vor allem der Vergleich mit Österreich, dort ist das Bankenwesen dem Deutschen sehr ähnlich, die Bevölkerungsstruktur und Wirtschaft auch. Um den Risikoausgleich im Bereich Dispokredit über die Zinsen abzufedern, reicht den Österreichern ein Zinsspread von ca. 4,5 -5 %, während die deutschen Banken zur gleichen Leistung etwa das doppelte, nämlich ca. 10 %, benötigen.

Vielleicht sollte man die deutschen Banker zur Schulung mal nach Österreich schicken, dann könnten sie lernen, wie es sich mit der Hälfte der deutschen Dispozinsen vernünftig arbeiten lässt. Die deutschen Banker reihen sich in die Reihe der Schlusslichter in Europa ein, nämlich bei Griechenland, Irland und Portugal. Ob das wohl beabsichtigt war? Vermutlich deshalb trauen sie sich nicht, ihre Gebührenstruktur transparent darzulegen.

Einen Schluss sollte man hieraus auf alle Fälle ziehen: Bei einer Dauerbelastung des Dispositionsrahmens sollte der Dispo schnellstmöglich in eine kostengünstigere Kreditform, wie etwa einen Ratenkredit, umgewandelt werden.

Fazit:

Wer seinen Dispositionsrahmen dauerhaft und nicht nur sehr kurzfristig ausschöpft und dafür über 8-9% bezahlt, der sollte die Bank wechseln. Ausserdem sollte bei einer dauerhaften Inanspruchnahme der Kredit in einen zinsgünstigeren Ratenkredit umgewandelt werden.

Quellen:
www.heute.de: Deutsche Dispo-Zinsen auf Griechen-Niveau
www.sat1.de: Deutsche Banken zocken mit Dispozinsen ab
www.stern.de: Banken verheimlichen Dispozinsen
www.test.de: Dispozinsen: Banken verweigern Auskunft


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Mehr Informationen finden Sie hier:

Artikel: Dispokredit durch einen Schweizer Kredit ablösen


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