Aktuelle Niedrigzinsen – wem nützen sie und wer leidet


Niedrigzinsen kommen nicht überall an

Das ist eine völlig neue Situation für den deutschen Staat, noch nie konnte er sich Geld so günstig besorgen wie jetzt, zum Teil zum Nulltarif. Wer baut oder eine Immobilie kauft, der profitiert von den historisch niedrigen Zinsen. Aber: Wer dummerweise sein Konto überzieht und den Dispositionskredit in Anspruch nimmt oder sogar darüber hinaus geht, der wird von den Banken immer noch ausgenommen wie eine Weihnachtsgans und muss bis zu 19 Prozent Zinsen zahlen.

Baugeld

Noch nie war es für Immobilienkäufer so günstig, Immobilien auf Kredit zu kaufen oder bauen. Für die Aufnahme von Hypothekenkrediten ist die jetzige Zeit optimal. Ist der Kauf eines Hauses geplant oder muss der laufende Hypothekenkredit demnächst verlängert werden, dann zählt man zu den Gewinnern der Schuldenkrise in Europa. Bedingt durch die schlechten Nachrichten unter anderem aus Griechenland und Spanien ist ein Baukredit so billig wie noch nie.

Dies ist eine Folge der sinkenden Umlaufrendite (siehe: Entwicklung der Umlaufrendite seit 1974). An der Umlaufrendite orientieren sich die Hypothekenzinsen und Pfandbriefe. Die zehnjährige Bundesanleihe rentiert zur Zeit mit mit weniger als 1,2 Prozent pro Jahr.

Der Wettbewerb zwischen den Baufinanzierern ist sehr stark, so kann sich keine Bank leisten, sehr viel mehr als einen halben Prozentpunkt über den Pfandbriefrenditen zu liegen. So müssen die Banken in diesem Segment die Zinsersparnisse bei der Refinanzierung an ihre Kunden direkt weitergeben.

Als Folge dieser Entwicklung steigt die Zahl der Banken mit Angeboten unter 2,5 Prozent pro Jahr für Immobiliendarlehen mit zehnjähriger Laufzeit stetig. Vor etwa einem Jahr musste ein Käufer noch mindestens vier Prozent zahlen.


Baukredit-Service für Immobilienfinanzierung und Hypothekendarlehen


Ratenkredit

Im Gegensatz zu den Baukrediten schlägt das niedrige Zinsniveau bei Ratenkrediten kaum durch. Bei vielen Deutschen ist der Konsum auf Kredit immer beliebter, so werden Möbel, Unterhaltungselektronik oder Autos immer mehr auf Kredit gekauft. Zumal Möbelhäuser und Elektronikmärkte immer wieder mit besonderen Finanzierungsangeboten um Kunden werben und damit dafür sorgen, dass die Verfügbarkeit von Ratenkrediten im Allgemeinen deutlich gestiegen ist.

Vom Rückgang der Zinsen, der sich am deutlichsten bei der Umlaufrendite manifestiert, haben die Kreditnehmer von Ratenkrediten bislang kaum profitiert, die Banken geben diesen Vorteil kaum weiter. Der durchschnittliche Zins sank in den vergangenen zwölf Monaten lediglich von 7,04 Prozent auf 6,71 Prozent, im Vergleich dazu ist Baugeld deutlich billiger geworden, der durchschnittliche Baugeldzins sank in der Zeit von 3,96 Prozent auf 2,74 Prozent.

Ein wichtiger Grund für diese Unterschiede bei der Weitergabe der Zinsvorteile:

Die Transparenz ist bei Konsumentenkrediten längst noch nicht so groß wie beispielsweise beim Baugeld, wo Kunden die Preise sehr einfach auf speziellen Internetseiten vergleichen können.

Dispositionskredit

Besonders hier kassieren die Banken ihre Kunden gerne ab, beim Überziehen des Girokontos schauen viele Kunden nicht so gezielt auf die Kosten. So werden sie von den Banken bei den „versteckten“ Kosten eines Girokontos gerupft, wie Weihnachtsgänse.

Das Girokonto zu überziehen und damit Schulden zu machen ist ein lukratives Geschäft für die deutschen Geschäftsbanken, da wird kräftig abkassiert: So berechnet die Deutsche Bank für den Dispokredit einen Zins von 12,75 Prozent, bei der Commerzbank sind es aktuell sogar 13,24 Prozent, die HypoVereinsbank liegt bei 11,80 Prozent.

Dass es auch anders geht, das zeigt das Beispiel Österreich. Hier zahlen Verbraucher gerade einmal die Hälfte.

Wird der eingeräumte Disporahmen überschritten, dann wird es besonders teuer. Knapp 19 Prozent pro Jahr stellt dann zum Beispiel die Commerzbank für den dann beanspruchten Überziehungskredit in Rechnung.

Tipp: Dispositionskredit durch Ratenkredit ablösen und auf Null bringen, beispielsweise mit einem schufafreien Schweizer Kredit, wenn die Alternative mit Schufa nicht gehen sollte.

Sparkonto

Aktuell wird das Sparen der Kunden von den Banken kaum noch honoriert. Lange galt:

Je schlechter die Stimmung und größer das Misstrauen an den Kapitalmärkten, desto mehr gierten einige Banken nach dem Ersparten der Kunden.

Eine hohe Sparquote und viele Kundengelder standen für viel Sicherheit einer Bank; dieses Signal an Kunden und Investoren führte noch zu Jahresbeginn bei manchen Banken zu einer Tagesgeldverzinsung von knapp drei Prozent. Dies traf vor allem für ausländische Institute zu, konnten sie in ihren Heimatländern, ob in Spanien, Großbritannien oder auch den Niederlanden, das bei deutschen Sparern eingesammelte Geld oft zu sehr viel höheren Zinsen wieder in Form von Krediten verleihen.

Doch seit März trifft das nicht mehr zu, die Einlagenspeicher der meisten Banken sind voll. Außerdem können sie sich in fast unendlicher Menge Geld zu einem Spottpreis bei der Europäischen Zentralbank leihen.

So ist aktuell die Anlage von Geld trotz Zinsen zumeist mit einem Verlust korreliert, das Zinsniveau liegt unter dem Inflationsniveau und außerdem müssen die kargen Zinserträge auch noch versteuert werden.


Fazit


Momentan befinden wir uns in einer extremen Niedrigzinsphase. Dies macht sich für Kunden vor allem im Bereich Baugeld bemerkbar, wer Immobilien kaufen will oder bauen, der profitiert von diesem extremen Zinstief. Eine möglichst langfristige Zinsbindung ist angesagt. Bei Ratenkrediten oder gar beim Dispositionskredit geben die Banken den Zinsvorteil praktisch nicht an die Kunden weiter. Sparen bringt aktuell zumeist nur Zinsen unterhalb der Inflationsquote.


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