Entwicklung der Umlaufrendite seit 1974


Umlaufrendite erstmals unter 1%

Die Umlaufrendite wird von der Deutschen Bundesbank börsentäglich ermittelt. Sie ist ein Maß für den aktuellen Zinssatz für festverzinsliche Wertpapiere und spiegelt die Zinsen in Deutschland wider und ist starken Schwankungen aufgrund wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen unterworfen. Lag die Umlaufrendite in den 1970er und 1980er Jahren zum Teil bei über 10%, so fiel sie am 1. Juni 2012 mit einem Wert von 0,92% erstmals auf unter 1%!

Die Umlaufrendite (auch Umlaufsrendite oder Sekundärmarktrendite) ist die durchschnittliche Rendite aller im Umlauf befindlichen, inländischen festverzinslichen Wertpapiere (Anleihen) erster Bonität, also v. a. Staatsanleihen.
Die Umlaufrendite für Deutschland wird von der Deutschen Bundesbank ermittelt. Dabei werden auch die Renditen nach Emittenten (Öffentliche Hand, Banken etc.) sowie Restlaufzeiten gruppiert veröffentlicht. Nicht auf Euro lautende Anleihen werden nicht berücksichtigt.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Umlaufrendite

Die Umlaufrendite ist somit ein Maß für die Zinsentwicklung, ähnlich, wie sie der DAX für den Aktienmarkt in Deutschland darstellt. Die üblichen sonstigen Zinsen für Kredite und Anlagegelder, bsp. Festgelder, Baukredite oder Ratenkredite, entwickeln sich normalerweise parallel zu der Umlaufrendite. Vereinfacht könnte man sagen, dass folgende Gleichung gilt:

Hohe Umlaufrendite = Hohe Zinsen,
Niedrige Umlaufrendite = Niedrige Zinsen.

Für Festgeld und Baugeld trifft das in einem hohen Maße zu, für Ratenkredite beschränkt und für den Zinssatz von Dispositionskrediten scheint dieser Zusammenhang aktuell völlig außer Kraft zu sein. Was Dispositionskredite angeht werden die Kunden von den Banken vereinfacht gesagt, über den Tisch gezogen. Die Banken refinanzieren sich billigst am Kapitalmarkt, den Kunden wird das in keinster Weise weitergegeben.

Interessant ist es nun, die Entwicklung der Umlaufrendite in den letzten Jahren einmal zu analysieren. Das Diagramm 1 (Umlaufrendite Ende März (1974 – 2012)) zeigt die Entwicklung der Umlaufrendite über einen langen Zeitraum, nämlich seit 1974. Interessant sind hier die starken Schwankungen und die langfristige Entwicklung. Kaum jemand kann sich noch daran errinnern, dass die Umlaufrendite mal bei über 10%! in Deutschland lag, dies war 1974 und 1981 tatsächlich der Fall, dazwischen sank sie im Jahr 1978 bis auf fast 5%.

Anfang der 1990er Jahre sehen wir noch einmal ein Ansteigen durch die Kosten der Wiedervereinigung von 1990 – 1992 auf deutlich über 8%. Seit dieser Zeit sind aber die Tendenzen der Haushaltskonsolidierungen in Zusammenhang mit der Euroeinführung zu sehen, es gibt einen globalen Trend, kontinuierlicher Rückgang der Umlaufrendite seit den 1990er Jahren bis heute.

Umlaufrendite Ende März (1974 - 2012)
Entwicklung der Umlaufrendite in Deutschland von 1974 - 2012

In Diagramm 2 (Entwicklung der Umlaufrendite in Deutschland seit 2000) wird dieser Trend durch Vorbereitung und Euroeinführung deutlich. Man kann ganz klar erkennen, dass sich das Vertrauen der Investoren in den Euro in niedrigeren Zinssätzen widerspiegelt. Am Anfang handelt es sich um einen für den gesamten Euroraum gemeinsamen Trend. Der Terroranschlag im Jahre 2001 und die Bankenkrise 2007/08 führten nochmals zu einer Steigerung der Umlaufrendite auf über 4 %, konnten aber den generellen Trend eines Rückgangs nicht auf Dauer aufhalten. Sehr schön zu sehen ist aber auch, dass das Aufflammen der Eurokrise im Jahr 2011 nochmals zu einer Steigerung der Umlaufrendite auf über 3% Mitte des Jahres geführt hat.

Umlaufrendite Juni 2000 - Juni 2012
Entwicklung der Umlaufrendite in Deutschland seit 2000

In Diagramm 3 (Entwicklung der Umlaufrendite in den letzten 12 Monaten) schließlich ist die Entwicklung der Umlaufrendite in den letzten 12 Monaten dargestellt. Hier ist nun ein ganz interessanter Trend zu sehen, während in anderen Euroländern (insbesondere Griechenland, Italien und Spanien) das Vertrauen der Investoren geschwunden ist und damit die Rendite in den Bereich jenseits der 6% gestiegen ist (hier nicht dargestellt) ist Deutschland aus Investorensicht ein sicherer Hafen. Gelder werden in Deutschland angelegt, auch wenn die Rendite deutlich unter der Inflationsquote liegt. Deutschland wird als sicherer Standort angesehen.

Während die Umlaufrendite zwischen September 2011 und April 2012 zwischen 1,5 und 2% lag, kam seit April 2012 noch einmal Dynamik ins System, viele Gelder flossen nach Deutschland und die Umlaufrendite sank auf historische Tiefststände.

Am 1. Juni 2012 war es schließlich soweit, mit einer Umlaufrendite von 0,92 % lag die Umlaufrendite erstmals bei unter 1 %!

Umlaufrendite Juni 2011 - Juni 2012
Entwicklung der Umlaufrendite in den letzten 12 Monaten (Stand 1. Juni 2012)

Parallel zu dieser Entwicklung sind natürlich auch verschiedene Zinssätze gesunken. Für Investoren interessant sind jetzt Immobilien, Hypothekenkredite lassen sich ebenfalls zu historischen Tiefstständen bei den Banken aufnehmen. Ähnliches gilt für Ratenkredite, obgleich dieselben deutlich mehr kosten, bedingt einfach auch durch ein höheres Risiko für den Kreditgeber. Auf der anderen Seite haben natürlich Spareinlagen und Festgelder deutlich an Reiz verloren, decken doch deren Verzinsung oft nicht einmal mehr die Geldentwertung ab.


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Ein Gedanke zu „Entwicklung der Umlaufrendite seit 1974

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