Ostern – Religion – Zinsverbot?


Gedanken zum religiös motivierten Zinsverbot

Ökonomisch betrachtet sind Zinsen der Preis, den der Ausleihende beim Kapitalgeber für das Ausleihen von Geld entrichten muß. Immer wieder kann man lesen, dass ein Zinsverbot bereits im Altertum religös begründet und von den christlichen Kirchen und später auch vom Islam so übernommen wurde.

Recherchiert man aber die Details und Fakten etwas genauer, so kommt man zu ganz anderen Ergebnissen: Im alten Testament ist keineswegs ein Zinsverbot erwähnt, wohl ein Verbot des Wuchers. Zinsen konnten insbesondere von Ausländern genommen werden. Man kann auch bei Nehemia nachlesen, dass Geldverleih gegen Zinsen durchaus im eigenen Volk üblich war. Allerdings war prinzipiell verboten, die Not eines Angehörigen des eigenen Volkes auszunutzen. Spannend ist in diesem Zusammenhang, dass die hebräische Sprache keinen Unterschied zwischen den Wörtern Zins und Wucher kennt.

Im Neuen Testament findet sich ebenfalls kein Zinsverbot. Erst auf dem Konzil von Nicäa wurde den Angehörigen des Klerus ein Verbot erteilt, Zinsen von Mitchristen zu verlangen. Dieses Verbot wurde dann gegen Ende des 1. Jahrtausends auch für alle Laien festgeschrieben. Da die Juden den kanonischen Gesetzen der christlichen Kirche nicht unterworfen waren, übernahmen sie immer mehr die Rolle des Geldverleihers.

Bereits im Jahr 1179 erhielten die Juden die päpstliche Genehmigung zum Geldverleih gegen Zinsen. Diese Entwicklung wandte sich im späten Mittelalter gegen die jetzt als Wucherer verschrienen Juden, die allerdings wegen dem verhängten Zunftverbot keine andere Betätigung ausüben konnten und durften.

Manche Gruppen versuchten natürlich das Zinsverbot zu umgehen. Der Orden der Templer, vergab zum Beispiel Kredite gegen einen Zuschlag und umging den Zins nur im Wortsinne.

Mit dem Ende des Mittelalters wurde das Zinsverbot zunehmend gelockert und 1545 von Heinrich VIII gänzlich legalisiert. Es existieren Urkunden, die den Zins im allgemeinen auf 5 Prozent festlegten. Seit der Zeit nach dem 30jährigen Krieg gilt das Zinsverbot im Geschäftsleben als abgeschafft. Der Vatikan folgte dieser Sichtweise im Jahre 1830.

Ein religiöses Verbot der Zinsnahme besteht heute noch im Islam und ist hier im Koran verankert. Da kein wirtschaftliches Gemeinwesen ohne Kreditaufnahme funktionieren kann, werden in den islamischen Gesellschaften häufig Umgehungsgeschäfte getätigt. Ebenso gängig sind Investitionen oder Handelsgeschäfte sowie Aktienkäufe, da die daraus erzielten Dividenden nicht als Zinsen gelten.

Fazit: Ohne Zinsen funktioniert ein modernes Wirtschaftsleben nicht, und es gibt auch (zumindest im christlichen Glauben) keinerlei religiöse Gründe für ein Zinsverbot.


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